Wer nichts wird, wird Wirt

Wer nichts wird, wird Wirt ! – Ein Kneipenrundgang durch Wurzen

(aufgeschrieben 1955, Verfasser unbekannt)

 

Machen Sie lieber Leser, mit mir einen Rundgang durch Wurzens Gasthäuser, Cafes usw. um das Jahr 1920.

Beginnen wir auf dem ehemaligen Markt.

Hier befand sich das Hotel Pippig, unser erstes HO-Hotel, gegenüber im jetzigen Geschäft Hollenkamp der „Goldene Löwe“. Auf der Südseite des Marktes war der Logierbetrieb „Deutsches Haus“.

„Der Ratskeller“ auf der anschließenden Liegenbank und der „Schlosskeller“ in der Johannisgasse waren Treffpunkte der Honoratoren der Stadt. Auf dem Weg zur Schuhgasse kommen wir zur „Quelle“, einer Wirtschaft mit Damenbedienung. Weiter zur Kannengießergasse, hier bestand die Fleischerei und Gaststätte „Möbius“, die erst 1956 geschlossen wurde.

Im Rosenthal sorgten die „Bärenschänke“ und die „Mühlengaststätte“ mit Schlachtbetrieb für das leibliche Wohl der Wurzener. Letztere bestand nur aus einer kleinen Gaststube mit sehr niedriger Decke. Von der Tür aus ging eine kleine Stufe nach unten, wer groß war musste den Kopf einziehen um Hiertach Max zu besuchen. Gleich daneben befand sich eine kleine Bierstube. Wo heute das „Albert-Kuntz-Kombinat“ steht, schenkte „Tutewohl“ das flüssige Brot aus.

Nun geht’s raus zum „Schützenhaus“. Hier verkehrt jung und alt, war es doch mit einem herrlichen Saal, Garten und guter Bedienung eines unserer schönsten Ausflugsziele. Auch die Fußballer waren bei Brückners in guten Händen.

Auf der anderen Seite der Landbrücke stand das „Tivoli“, später „Drei Brücken“ genannt. Von der Familie Naumann, welche hier mehrere Generationen hindurch seine Gäste umsorgte, dürfte wohl Naumanns Emil, der bekannteste und beliebteste geworden sein. Er ist heute sehr rüstig. Weiter geht’s durch Feld und Flur zur „Obstweinschänke“ im Dehnitzer Weg. Sie wurde später die „Flasche“ genannt  und befand sich weit hinten im Hof der jetzigen Firma Heckmann. Als Wahrzeichen stand im Hofe eine große Flasche und ein Karussell lud die großen und kleinen Gäste zu einer Fahrt ein. Von der „Flasche“ aus zogen Ernst und Martha Brückner mit den ihren nach dem Schützenhaus. In der Nemter Straße hat sich bis heute das „Restaurant zur Eisenbahn“ erhalten. An der Unterführung stand das große Hotel „Stadt Leipzig“, welches schon lange zu Wohnungen umgebaut wurde. Am „Bahnhofslokal“ vorbei kommen wir zur Bahnhofsstraße. Hier kennen wir noch heute das „Hotel zur Post“. Auf der gleichen Straßenseite lag damals das „Restaurant zur Fähre“, wie die gegenüberliegende „Alte Post“ ein Restaurant mit Ausspannung. Den Abschluß der Bahnhofsstraße bildet noch heute die beliebte Börse. In der Wenceslaigasse besuchte man früher das „Bräustübel“ und das „Cafe Möbius“. Während das letztere noch heute als HO-Tageskaffee Gäste bewirtet, ist in den Räumen des „Bräustübel“ der Friseursalon Hecker eingerichtet. In der Färbergasse wurde bei Alfred Krause im „Reichsadler“ die Wurzener Ortsgruppe des Spartakusbundes gegründet. Durch die Postgasse gelangen wir zu „Kießlings Restaurant“. Es wurde wegen seiner politisierenden Gäste Kleines Rathaus genannt. Die jetzige „Posttorschänke“ ist als „Ponnydiele“ bekannt und beliebt, ist sie doch die einzige Gaststätte in der Pferd serviert wurde, jetzt sind Wohnungen drin. Unweit der „Posttorschänke“ stand der „Goldene Ring“. Dieses Gasthaus mit Ausspannung war im Grundstück des heutigen Lebensmittegeschäfts Berger (HO). Auf dem Crostigall finden wir noch heute die „Golden Rose“, in deren kleinen Saale die erste Wurzener Filmvorführung stattfand. Die Rose war Versammlungslokal der Buchbinderzunft. Entlang der Dresdener Straße gelangen wir vorbei am „Wiener Cafe“ und dem „Hotel Stadt Chemnitz“ zum „Cafe Schultz“. Dieses Cafe erfreut sich mit seinem Palmengarten noch heute seiner zahlreichen Gäste. Unmittelbar daneben war das Restaurant zum „Falken“. Das Hotel und Theater „Viktoria“ lassen wir rechts liegen und machen halt an der Ecke der jetzigen Kantstraße. Hier hatte Paul Pitschler seinen Logierbetrieb und Stehbierhalle „Stadt Dresden“. Im Nachbargrundstück betrieb Max Müller seine „Speisenwirtschaft“, die heute noch als Gaststätte besteht. Eine Frühstücksstube hatte Heinrich Gründling an der Ecke zur August-Bebel-Straße. Die Brüder Lange bewirtschafteten Restaurant und Stehbierhalle „Stadt Rom“, am Eingang zur Goethestraße. Hinter dem Drahtseilwerk lockte ein kleines Cafe mit dem romantischen Namen „Cafe Venedig“. Auf dem Wege durch Goethe-, Rathenau- und Liebknechtstraße sehen wir die „Wilhelmsburg“, „Stadt Altenburg“ und das „Stadtcafe“. An der Ecke Kant- Rathenaustraße hatte Gustav Heyda seine „Frühstücksstube“, ihr gegenüber lag „Stgars Weinstube“. Gehen wir nun die Kantstraße hinunter, passieren wir die „Wartburg“ und erreichen den Friedrich-Engels-Platz. Hier haben sich bis heute der „Sächsische Hof“, genannt die Schiefe Ecke, und „Cafe Sanne“, das heutige „Cafe des Friedens“ erhalten. Auch das „Carolaschlößchen“ und der „Wettiner Hof“ in der Schillerstraße wollen wir nicht vergessen. Nun zur Friedrich-Engels-Straße, hier befand sich der Jägerhof mit Fleischerei. Heute ist hier das Sportlerheim der BSG Lok. Im Grundstück Lommatzsch war früher das „Braune Roß“, ein Gasthaus mit Ausspannung. Biegen wir nun in die Martin-Luther- Straße ein, so stoßen wir zuerst auf das „Cafe Niedlich“, was viele Jahre hindurch bis heute im Besitz der Familie Müller und deren Erben ist. Hier finden wir auch das Hotel „Stadt Berlin“, damals das größte und schönste Hotel mit Ausspannung für 14 Pferde. Neben dem Armenhaus lag die Herberge zur „Heimat“. Hier war alles billig und jeder konnte einkehren. Weiter an der Ecke zur Mozartstraße stand die „Friedensburg“. In der „Marienburg“ in der Ernst-Thälmann-Straße ist heute ein Kinderhort untergebracht. Am Abschluß der Heinrich-Heine-Straße befindet sich heute noch das unmittelbar an den Sportplatz grenzende „Gewerkschaftsheim“. Wandern wir nun quer durch die Gärten, so sehen wir an der Lüptitzer Straße das „Schweizerhaus“ liegen. Wir wenden uns jedoch stadteinwärts und kommen am „Feldschlösschen“ vorbei zur Stalinstraße. Neben „Cafe Wehe“ und der „Hopfenblüte“ lag hier der „Bürgergarten“, die ehemalige „Pfefferminze“. Heute finden wir hier die „Friedenslichtspiele“. Der „Thüringer Hof“ in der Albert-Kuntz-Straße wird heute wie vor 35 Jahren gern besucht. Am Stadtpark war das „Parkschlösschen“ mit seiner schönen Veranda und schattigem Garten das Ziel vieler Wurzener. Am Eingang zur Lessingstraße wurden die Wurzener Burgen um eine vermehrt, nämlich die „Moritzburg“. Schlagen wir die Richtung zum Markt ein, kommen wir zum „Golden Hirsch“. Von hier aus fuhr Sonntags der Kremser nach Eilenburg. Im langjährigen Familienbesitz war auch der „Freischütz“ am Eingang zum Stadtgraben. Die letzten Besitzer Herr und Frau Heyer  ......

( im Original nicht lesbar)  ... Mit „Freischütz“, „Gambrinus“, „Goldener Kugel“ und  „Veits Wein- und Schankstube“ war die Gegend um Stadtgraben und Altstadttor wohlversorgt. Kurz vor der Einmündung der Altstadt zum Jacobsplatz hatten Koppenhöfers ihre „Ratsgarküche“. Wo heute das Schuhgeschäft ist, war „Stadt Metz“, eine Herberge für gewerkschaftlich Organisierte. Hier ging es sehr sauber zu, denn Vater Lachmann hielt auf Ordnung. Handwerksburschen, welche ihre Lehre beendet hatten und sich erst ein Jahr im Land umsehen mussten, konnten eine Tasse Kaffee (Blümchen) für fünf Pfennige trinken. Aber das Gewerkschaftsbuch musste in Ordnung sein. Auf dem Jacobsplatz war noch „Stadt Hamburg“, eine Gaststätte mit Ausspannung, die heute noch besteht. Gehen wir durch Margens-Hof, so kommen wir vorbei am Restaurant „QT“ und gelangen zum „Schweizergarten“. Mit Ballsaal, Garten, Terrasse und Gaststube war er schon damals ein gut besuchter Ort und ist heute Kulturhaus. Auf dem Badergraben und in der Badergasse haben wir mit den Gaststätten „Zur Bleiche“, die „Krone“ und dem „Blauen Stern“ drei Gaststätten die sich großer Beliebtheit erfreuen. Das Gleiche trifft auf „Stadt Wien“ mit seiner tüchtigen Wirtin Senta Kathe zu. So, nun sind wir am Ausgangspunkt unseres Rundganges wieder angekommen......     

 


 
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